Ein Auszug meiner Facharbiet, die gerade am Werden ist: „Theologische Begründung der Diakonie“ für den Kurs „Transformative Entwicklungshilfe“

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Das Entscheidende am biblischen Menschenbild ist, dass der Mensch immer in Beziehung zu Gott gesehen wird. Schon in Gen 1,26 wird der Mensch als „Ebenbild Gottes“ bezeichnet. Darüber, was unter der Gottesebenbildlichkeit des Menschen zu verstehen ist, wird in der Theologie kontrovers diskutiert[1]. Verstand man im Lauf der Kirchengeschichte die Gottesebenbildlichkeit vorwiegend in der physischen oder geistigen Natur des Menschen, so erklärt man die „imago dei“ heute zweierlei: Zum einen sei sie relational zu verstehen, d.h. dass der Mensch als Gegenüber Gottes geschaffen wurde. Die Ebenbildlichkeit Gottes ist also als Beziehungsgeschehen zwischen Schöpfer und Geschöpf zu betrachten. Zum Zweiten sei in ihr ein Herrschaftsverhältnis beschrieben: Genauso wie Gott über Himmel und Erde herrscht, hat er den Menschen dazu eingesetzt, über die Erde im Namen Gottes zu regieren. So erklärt sich in Genesis auch das Gebot der Unterwerfung der Erde samt der Tiere (Gen 1,28).[2]

(…)

Des Weiteren sieht das Neue Testament den Menschen als eine untrennbare Einheit von Leib, Seele und Geist (1Thes 5,23). Auch im Alten Testament lässt sich ein ganzheitliches Menschenbild vorfinden, das den Menschen vor allem in seiner Bedürftigkeit erscheinen lässt[5]. Diese beschränkt sich nicht nur auf das psychische, sondern genauso auch auf das physische Wohl. Der nach Gottes Ebenbild geschaffene Mensch muss also in allen Aspekten seines Daseins wahrgenommen und darf nicht auf einen Gesichtspunkt seiner Existenz reduziert werden.

Bekräftigt wird die Würde des Menschen in seiner Ganzheit aufgrund der Ebenbildlichkeit Gottes in der Menschwerdung Jesu Christi. Er, von dem es heißt, er sei das vollkommene „Ebenbild des unsichtbaren Gottes“ (Kol 1,15) wurde ein Mensch und starb als solcher für die Menschen. In der Inkarnation, dem Leben, Sterben und Auferstehen Jesu Christi kann jeder Mensch seinen gottgegebenen Wert erkennen. Dieser betrifft sowohl seine leibliche, wie auch seine seelische Existenz.


[1] Vgl. Wilfried Joest, Dogmatik II. Der Weg Gottes mit den Menschen. (Stuttgart: UTB, 2010), 369.

[2] Vgl. Hans Walter Wolff, Anthropologie des Alten Testaments. (Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus, 2010), 231.

[3] Lausanner Bewegung Deutschland, Die Lausanner Verpflichtung 5. A. (Stuttgart: Selbstverlag, 2000), 4.

[5] Vgl. Wolff, Anthropologie des Alten Testaments, 29.

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